Für ihren Standort in Wil benötigt die Psychiatrie St. Gallen Nord eine neue Forensikstation. Die Masterarbeit fragt, wie Architektur die Therapie aktiv unterstützen kann – und zwar so, dass die Sicherheit von Patienten, Personal und Nachbarschaft gewahrt bleibt, ohne dass der Bau den Charakter einer Vollzugsanstalt annimmt.
Das Grundstück im Nordwesten des Klinikareals grenzt unmittelbar an Wohnbebauung. Aus dem Schutz vor Lärm und dem nötigen Abstand zwischen Patienten und Passanten entsteht die Grundfigur: ein U-förmiger Baukörper, der sich nach Südosten öffnet und einen geschützten Innenhof umschließt – einen Ort der Ruhe im Inneren einer hochgesicherten Einrichtung.
Tageslicht, Ausblick und Haptik – als therapeutische Mittel, auch unter den Bedingungen des Freiheitsentzugs.
Dokumentation
Städtebau & Erschließung
Die U-Form legt sich als ruhiger Ring um den Hof und ordnet das Programm. Erschlossen wird das Haus über den Haupteingang an der südöstlichen Ecke; Patienten mit höherem Sicherheitsbedarf gelangen über eine Fahrzeugschleuse an der Nordseite ins Gebäude, die zugleich die Anlieferung übernimmt.
So bleiben offene und gesicherte Wege konsequent getrennt – ohne dass die Anlage nach außen abweisend wirkt oder den Bezug zum Quartier verliert.
Erscheinung & Konstruktion
Grundriss, Tragwerk und Fassade folgen einem durchgehenden quadratischen Raster. Diese Neutralität ist Programm: Das einheitliche Fassadenbild verwischt die Ablesbarkeit der dahinterliegenden Nutzungen und wirkt der Stigmatisierung solcher Einrichtungen entgegen. Sicherheitsrelevante Elemente – Einzäunung, kontrollierte Zugänge, gesicherte Verglasung – treten gestalterisch zurück, ohne ihre Funktion aufzugeben.
Eine vorgehängte, hinterlüftete Betonfassade mit textilem Sonnenschutz, ein intensiv begrüntes Dach und warme Innenoberflächen – Hirnholzparkett auf einem Freecooling-Estrich – übersetzen den Anspruch in Material. Tageslicht, Ausblick und Haptik werden so zu therapeutischen Mitteln, auch unter den Bedingungen des Freiheitsentzugs.